Auf dem Selbstverwirklichungs-Trip

Meine Erfahrungen mit dem spirituellen Basar von Bali

Bali ist eine paradiesische Insel für alle, die sich selbst suchen und Heilung finden möchten. Viele Menschen zieht es hierher wegen der wunderschönen Natur, der Balinesischen Kultur und der sagenumwobenen Heilkraft der Insel. Manche sagen auch scherzhaft, dass Bali ein spiritueller Basar ist, denn es gibt ein immenses Angebot an esoterischen Workshops, traditionellen und alternativen Heilmethoden, zahlreichen Yogastudios und wunderschönen Wellness Resorts.

Die Mystik und Beliebtheit von Bali

Was ist dran an der mysteriösen, hohen Energie dieser Insel? Es heißt, dass Bali auf der Kreuzung von energetischen Linien liegt (so genannten ‚ley lines‘, die sich um die ganze Welt schlingen) und somit eine höher schwingende Energie besitzt. Als ich nach Bali gekommen bin, habe ich auch von dem vulkanischen Prinzip erfahren, das alle Erfahrungen intensiver macht (positive wie negative) und unterschwelliges an die Oberfläche bringt. Hinzu kommen mehr als 10.000 Tempel auf der Insel, tägliche Opfergaben und unzählige Zeremonien der hinduistischen Balinesen. Die Spiritualität der Balinesischen Hindus ist sehr im Alltag präsent und somit auch unmittelbar erlebbar für alle, die diese Insel besuchen.

Nur in wenigen Jahrzehnten ist Bali zu einem Mekka für Yogis, digitale Nomaden und Urlauber aus aller Welt geworden. Das Buch und der Film „Eat, Pray, Love“, haben zu dem Besucher-Boom beigetragen – die jährliche Besucherzahl hat vor Corona-Zeiten die Zahl der Einwohner überschritten. Manche Touristen kommen einfach, um einen schönen Urlaub zu erleben, tummeln sich am Strand, machen vielleicht ein paar Ausflüge auf der Insel und kehren dann erholt in ihr bisheriges Leben zurück. Andere hingegen suchen nach etwas Tieferem, sie wollen sich spirituell oder persönlich weiterentwickeln, geheilt werden und Erfüllung finden. Viele bleiben länger als sie geplant hatten oder kommen mehrmals nach Bali zurück.

Wie ich nach Bali gekommen bin

Zum ersten Mal bin ich nach Bali gereist während eines Sabbatjahres 2012, um am Balispirit Festival teilzunehmen, dem populären Yogafestival in Ubud, und um anschließend mein zweites Level der Yogalehrer-Ausbildung zu machen. Ich war sofort begeistert von dem „Lifestyle“ hier, mit den vielen Expats, die ähnliche Interessen haben, inmitten der lächelnden und sehr offenen Balinesen, auf einer Insel wo es immer warm ist und fast den ganzen Tag draußen zu sein in der Natur, die eine herrliche Fülle und Vielfalt bereithält.

Ich wollte schon immer mal länger ins Ausland und war immer irgendwie auf der Suche. Je länger ich Yoga praktiziert habe, desto stärker war mein Wunsch, tiefer in das Thema Spiritualität einzusteigen. Während des Reisejahres habe ich fünf Monate in Bali verbracht und dann ein Jahr später entschieden, ein Jobangebot in einem Wellness-Resort im Norden von Bali anzunehmen. Das Sabbatjahr hat definitiv meinen Horizont erweitert und mich auf eine ganz besondere innere und äußere Reise geschickt.

Das Angebot des spirituellen Jahrmarkts

In den letzten sieben Jahren, seitdem Bali mein Zuhause ist, habe ich tatsächlich aus dem vollen Angebot des spirituellen Jahrmarkts geschöpft: zahlreichen Workshops und Ausbildungen in alternativen Heilmethoden und zur Persönlichkeitsentwicklung, Besuche bei traditionellen Heilern, Handlesern, Tarotkartenlegern, Astrologen, Wasserreinigungen und Segnungen von Priestern, Aufenthalte in einem Ashram, Tempelbesuche, Therapiesitzungen, Detox und Schweigeretreats, Heilmassagen, Kakao-Zeremonien, Frauenzirkel, holotropes Atmen, verschiedenste Meditationstechniken, ekstatisches Tanzen, Klangheiltherapien, Singkreise und noch einiges mehr. Die Fülle an Events, Workshops und Trainings in Ubud – und mittlerweile auch in Canggu – ist immens groß. Mitunter war ich überfordert, mich zu entscheiden, wo ich hingehen möchte, weil so vieles parallel stattfand.

Ich habe sehr wertvolle Erfahrungen gemacht, auch wenn vieles mitunter skurril, abgefahren, Hokuspokus oder esoterisch „woo-woo“ klingt. Viele der Modalitäten und Events, die mir Freude bereiten und guttun, habe ich über die Jahre beibehalten. Im Laufe der Zeit habe ich ein gutes Gespür dafür bekommen, welche Angebote Tiefgang haben, wo tatsächlich etwas Wertvolles dahintersteckt, welcher Therapeut oder Heiler vertrauenswürdig ist und wo es doch eher um die Geldmacherei geht.

Die ewige Suche

Doch woher kommt meine ewige Suche? Woher der Drang danach, Antworten auf das Leben zu finden und endlich das Zaubermittel zu finden, das mich glücklich und zufrieden macht? Noch vor 15 Jahren hätte ich mir nie im Leben vorstellen können, dass ich hier in Bali lebe. Ich bin mir sicher, dass ich in mein altes Leben in Deutschland nicht mehr reinpassen würde. Zu viel ist in den letzten Jahren mit mir passiert, was meine Prioritäten, Werte und Interessen verändert hat.

Die Suche nach Verwirklichung und Glück ist tief ins uns Menschen verwurzelt. Das bewusste Denken, das uns von Primaten abhebt, gibt uns die Möglichkeit, unsere Lebensqualität aktiv zu beeinflussen. Das scheint mir Segen und Fluch gleichzeitig. Mit dem Bewusstsein kommt die Verantwortung, die wir für unser Leben tragen. Kein anderer ist für unser Glück verantwortlich als wir selbst. Was machen wir aus unserem Leben? Wie können wir es schaffen, glücklich und erfüllt zu sein?

Ich habe schon immer gerne Neues gelernt, mich für verschiedene Dinge interessiert und war schnell gelangweilt, wenn ich etwas zu lange oder zu oft gemacht habe. Auf meiner spirituellen Suche habe ich allerdings auch erkannt, dass dieser Drang nach Selbstverwirklichung und der Wunsch noch eine weitere Ausbildung zu machen auch daher rührt, dass ein Teil von mir sich nicht gut genug fühlt. Noch nicht angekommen. Noch nicht weit genug entwickelt. Was sich früher eher im beruflichen Bereich gezeigt hat (es im Job „zu etwas zu bringen“), habe ich unbewusst mit auf den spirituellen Weg genommen. Und wie es so schön heißt: der erste Weg zur Veränderung ist die Erkenntnis.

Bevor ich eine weitere Ausbildung mache, gehe ich mittlerweile in mich und frage mich selbst, ob es wirklich nötig und sinnvoll ist. Bringt es mich tatsächlich weiter, ein weiteres Zertifikat zu haben? Wem will ich eigentlich etwas beweisen? Wann ist es genug? Wie schaffe ich es, die Balance zu finden zwischen Zufriedenheit und Akzeptanz dessen was ist, und trotzdem mein höchstes Potential auszuschöpfen? Wie kann ich glücklich, frei und friedlich sein – egal was im Außen passiert?

In wieweit können wir wirklich beeinflussen, wie unser Leben verläuft oder hat sich unsere Seele bereits vorab die Aufgaben ausgesucht, die wir uns auf der Erde stellen müssen? Wenn ich Antworten auf diese grundlegenden Fragen hätte, wäre ich vielleicht gelangweilt und würde Herausforderungen vermissen. Bis dahin bleibe ich eine Suchende, die sich für ihren Selbstverwirklichungstrip die wunderschöne Insel Bali ausgesucht hat, mit dem hehren Ziel, das Glück nicht nur im Außen, sondern vor allem im Inneren zu finden.