Wege durch den Yoga-Dschungel

Letzte Woche war es meine Aufgabe, für das Resort wo ich derzeit arbeite die Yogastunden zu beschreiben, die täglich angeboten werden. Im Angebot sind jeden Tag 5-7 Klassen in verschiedenen Yogastilen, die sowohl von Hotelgästen als auch von Teilnehmern von außerhalb besucht werden können. In Udara Bali unterrichten einige Indonesische Yogalehrer, die von Westlern oder von Balinesischen Yogalehrern ausgebildet wurden sowie meine russische Kollegin und ich.

Das war eine interessante Aufgabe, da ich verschiedene Yogastunden bei den anderen Lehrern besucht habe und ich konnte neue Yogastile ausprobieren, die mir bis dahin nicht so vertraut waren. Außerdem war es spannend zu lesen, was die Yogalehrer über ihre eigenen Stunden geschrieben haben. Hinzu kam, dass ich mein eigenes Wissen als Yogalehrer einbringen konnte und meine Lust am Schreiben wieder stärker wurde.

Mir ist klar geworden, wie unüberschaubar es für Yoganeulinge ist, sich in dem Dschungel von verschiedenen Yogastilen zurechtzufinden. Welcher Stil und welcher Lehrer sind für mich am besten geeignet, was passt zu meiner Intention, meiner Persönlichkeit und meinem Körper?

Warum gibt es heutzutage so viele verschiedene Yogastile?

In Indien war es Tradition, dass ein Yogaschüler mehrere Jahre bei ein und demselben Lehrer gelernt hat. Das Wissen und somit das Erbe einer langen Linie wurde von einem Lehrer an den anderen weitergegeben. Gerade im Westen sind verschiedene Yogastile in den letzten Jahrzehnten geradezu explodiert. Das hat auch sein Gutes, denn das Yoga wurde der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, an die heutige Zeit und an die Anforderungen der Menschen angepasst. Allerdings ist daraus auch ein regelrechter Markt entstanden, es wurde zu einer Geldmaschine und zu einem hippen Lifestyle. Auch in der Yogawelt gibt es leider allzu oft glamouröse, ego-gesteuerte Yogalehrer, die sich in ihrer Popularität sonnen und dem Yoga ihren eigenen Stempel aufdrücken wollen.

Wie findest du als Anfänger den richtigen Stil und Lehrer?

Wenn du neu mit Yoga beginnen möchtest, lohnt es sich dass du dir vorher verschiedene Fragen stellst: Warum möchte ich eigentlich Yoga machen? Möchte ich einfach nur fitter und ein bisschen beweglicher werden? Bin ich mehr an dem ganzheitlichen Konzept von Yoga interessiert, um einen klaren Kopf zu bekommen und mehr Balance in mein Leben zu bringen? Habe ich Verletzungen oder sonstige körperlichen Einschränkungen, die ich beachten sollte? Ist der Lehrer gut ausgebildet, fühle ich mich gut aufgehoben in seiner Stunde und habe ich das Gefühl, dass er auch wirklich selbst beherzigt, was er so von sich gibt?

Am besten ist es, dass du verschiedene Yogastunde bei unterschiedlichen Lehrern ausprobierst um herauszufinden, was gut zu dir passt. Frag andere Yogaschüler nach ihren Erfahrungen, spreche mit den Yogalehrern und konsultiere wenn nötig auch deinen Arzt, bevor du mit dem Yoga beginnst. Trau deinem Bauchgefühl was die Auswahl der Lehrer angeht. Er sollte dich in einem gesunden Maße herausfordern, dich mit Respekt behandeln und du solltest dich bei ihm sicher und wohl fühlen.

Wenn du mehr nach einem dynamischen, aktiven Yogastil suchst, dann bist du bei Vinyasa, Ashtanga oder einer Flow Yogastunde wahrscheinlich am besten aufgehoben. Wenn du einen sehr aktiven Lebensstil hast und dir eher nach Ruhe und Besinnung ist, versuche doch mal Yin oder Restorativem Yoga, wo die Posen mehrere Minuten in Stille gehalten werden. Eine gute Balance ist Hatha Yoga, wo neben den Körperübungen (asanas) auch Atemübungen (pranayama) oder Meditationen geübt werden. Das sind nur ein paar Beispiele von verschiedenen Yogastilen, die auf dem Markt sind, und es gibt noch vieles mehr zu entdecken und auszuprobieren!

Wie habe ich mich durch den Yoga-Dschungel zurechtgefunden?

Ich erinnere mich daran, wie es war selbst mit Yoga anzufangen. Für mich stand eher der körperliche Aspekt im Vordergrund und Yoga war für mich etwas Ähnliches wie Pilates, Stretching oder Aerobic. In der Tat habe ich meine ersten Yogastunden in einem Fitness-Studio besucht. Zum Glück hatte ich dort eine sehr gute Lehrerin, die mich ermutigt hat tiefer in die Praxis einzutauchen. Sie hat mir geduldig alle Fragen beantwortet, die mit der Zeit immer mehr und mehr wurden.

Ich hatte viele wunderbare Lehrer auf meinem Weg und meine Yogapraxis hat sich über die Jahre sehr verändert. Vom körperlichen Aspekt hat es sich verlagert hin zum Interesse an Meditation und Spiritualität. Somit ist Yoga zum Mittelpunkt meines Lebens geworden. Meine Yogalehrer-Ausbildungen habe ich in verschiedenen Stilen absolviert und dafür bin ich sehr dankbar, denn ich habe eine breite Grundlage, auf der ich aufbauen kann und meine Yogastunden variieren zwischen dynamischem Vinyasa bis hin zu meditativem Yin Yoga. Das Schöne am Yoga ist es, dass es dich lebenslang begleiten kann, dass es sich an die sich wandelnden Bedürfnisse, Motivationen, Körperbefinden und Lebensgewohnheiten anpassen kann.

Wie kannst du deine Yogapraxis auch noch nach Jahren frisch halten? 

Es spricht vieles dafür, einer Linie treu zu bleiben, um tiefer in die Praxis einzutauchen, Fortschritte zu sehen und vom Lehrer genau die Übungen zu bekommen, die für das Weiterkommen nötig sind. Auf der anderen Seite ist es auch hilfreich, die Praxis frisch zu halten und sich ab und zu neue Inspiration zu suchen, um auch über die Jahre hinweg immer wieder neue Motivation aufzubringen, um dabei zu bleiben. Wenn du schon länger dabei bist und immer nur dynamische Yogastile probierst, möchtest du vielleicht auch mal Yin Yoga ausprobieren, wo du ganz bewusst für eine längere Zeit in der Pose bleibst und schaust was so alles hochkommt. Wenn du es gewöhnt bist in Stille zu meditieren probierst du vielleicht mal eine Tanz- oder Schüttelmeditation aus, um körperliche Bewegung dazu zu nutzen, um den Geist frei zu bekommen.

 

Bekenntnisse einer Yogalehrerin…

In den letzten Jahren habe ich meine Asana Praxis etwas vernachlässigt mit der Entschuldigung, dass mir der spirituelle Aspekt für mein Leben wichtiger ist und ich habe mir nicht die nötige Zeit neben dem Unterrichten genommen, um für mich Yoga zu üben oder andere Yogastunden zu besuchen. Selbst als Yogalehrer war ich nicht verschont von Rückenschmerzen, die mich körperlich manchmal eingeschränkt haben. Yogalehrer sind eben auch nur ganz normale Menschen! Inzwischen habe ich wieder mehr Lust am eigenen üben bekommen und mir sehr bewusst, dass ich mich besser fühle, wenn ich meinen Körper dehne und kräftige, wenn meine Atmung tiefer und freier ist, wenn ich mehr Energie habe und wenn ich mich einfach wohl in meinem Körper fühle.

In den letzten Wochen in Udara habe ich wieder neue Motivation für meine eigene Yogapraxis bekommen. Ich genieße mehr Leichtigkeit, Freude und eine spielerische Herangehensweise, insbesondere durch das Aerial Yoga, was meinem Körper sehr gut tut. Eine neue Entdeckung ist es auch gewesen, das Yoga in den 35 Grad warmen Pool zu bringen und den Körper im Wasser mal auf eine ganz andere Art zu bewegen. Und das Schöne ist, dass die eigene Praxis dann auch das Unterrichten wieder befruchtet und frisch hält. Selbst als Yogalehrer bin ich immer ein Schüler und lerne immer was dazu. Yoga wird immer ein Teil meines Lebens sein, egal wie alt ich bin.

Warum ist Yoga solch ein Juwel?

Yoga bedeutet eben nicht, den Körper zu verknoten und schon flexibel sein zu müssen, bevor du damit beginnst. Du kannst Yoga üben egal wie beweglich du bist, du kannst auch noch Yoga im hohen Alter anfangen. Ich freue mich über jeden einzelnen, der mit Yoga beginnt, egal aus welchem Grund. Ein guter Lehrer ist derjenige, der die Schüler dort abholt wo sie sind, ihnen Variationen anbietet und ihnen vermittelt, dass Yoga ein wunderbares Werkzeug ist, um Körper, Atem und Geist in Einklang zu bringen.

Manchmal braucht es etwas Zeit, um den wahren Wert von Yoga zu erkennen. Und irgendwann stellst du dann fest, dass das was du auf der Yogamatte tust, tatsächlich auch positiv in dein Leben hinein wirkt. Vielleicht merkst du irgendwann, dass du im Alltag gelassener und zentrierter bist, dass du dich wohl und zuhause in deinem Körper fühlst, dass du nicht mehr so schnell in alte Muster verfällst und das Leben mit einer neuen Klarheit und Leichtigkeit betrachtest.

Schau doch mal auf diese Webseite, um dir die Beschreibungen und das Angebot von den verschiedenen Yogaklassen in Udara anzusehen: http://www.udara-bali.com/yoga-at-udara/

Hast du Fragen oder möchtest du eine Yogastunde besuchen? Ich freue mich von dir zu hören!

In diesem Sinne viel Spaß auf deiner Yogamatte 🙂

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